Steinobst · Prunus avium

Süßkirsche

Der Sonderfall: Sommerschnitt nach der Ernte, niemals im Winter – sonst Gummifluss und Monilia.

Das Leitkapitel

Der Schnitt

Sparsam und gezielt: dichte und steil nach oben strebende Partien auslichten, flache, fruchtende Äste begünstigen. Große Wunden möglichst vermeiden.

ErziehungsformHohlkrone oder Spindel mit wenigen, flach gestellten Leitästen
ZeitpunktSommerschnitt direkt nach der Ernte (Juli–August), bei trockenem Wetter.
Warum dannBei Wärme verschließt der Baum die Wunden rasch, und der Krankheitsdruck durch Monilia ist geringer als bei feuchtem Winterwetter. Belaubt lässt sich zudem gut beurteilen, was Licht braucht.
Wundheilungheikel – nur bei warmem, trockenem Wetter

Tabu: Kein Winterschnitt. Bei Nässe und Kälte verheilen Steinobstwunden schlecht; es droht Gummifluss und Pilzbefall über die offene Wunde.

Schritt für Schritt

  1. Direkt nach der letzten Pflücke einen trockenen Tag wählen.

  2. Totholz und von Monilia befallene, vertrocknete Triebspitzen großzügig ins gesunde Holz zurücknehmen.

  3. Die Krone auslichten: zu dicht stehende und nach innen wachsende Äste entfernen, damit Licht und Luft hineinkommen.

  4. Steil aufrechte Triebe zugunsten flacher, waagerechter Fruchtäste herausnehmen – flach getragene Äste sind ruhiger und fruchtbarer.

  5. Nur wenige, dafür saubere Schnitte setzen; auf große Kappungen verzichten.

Typische Fehler
  • Schnitt im Winter oder bei Nässe – die häufigste Ursache für Gummifluss an der Kirsche.
  • Zu große Schnittwunden auf einmal – Steinobst kapselt sie schlecht ab.
  • Steil stehende Leitäste belassen – sie vergreisen und tragen schlecht.
Der ganze Baum

Standort, Pflege & Ernte

LichtVollsonnig und luftig – feuchte, schattige Lagen begünstigen Monilia und Schrotschuss.
BodenTiefgründig, durchlässig, kalkhaltig; verträgt keine Staunässe.
PflanzungHerbst oder Frühjahr; Süßkirschen werden groß – auf schwach wachsende Unterlagen (z. B. GiSelA) setzen, wenn der Baum klein bleiben soll.
ErntezeitJe nach Sorte (Kirschwoche) Juni bis Juli.
ReifezeichenVoll ausgefärbt, fest-saftig und süß; Süßkirschen reifen nach der Ernte nicht nach, daher reif pflücken.
LagerungNur wenige Tage haltbar; mit Stiel pflücken, dann hält die Frucht länger.

Häufige Krankheiten

  • Monilia (Spitzendürre; befallene Triebe weit ins Gesunde schneiden)
  • Schrotschuss (löchrige Blätter)
  • Kirschfruchtfliege (madige Früchte; frühe Sorten sind weniger betroffen)

Praxistipps

  • Merksatz: Steinobst schneidet man, wenn es warm und trocken ist – also nach der Ernte, nicht im Winter.
  • Lieber jährlich ein wenig auslichten als nach Jahren stark eingreifen zu müssen.

Provenienz: Riess, „Obstbaumschnitt in Bildern“ (Bayer. LV f. Gartenbau u. Landespflege, 35. Aufl. 2018).