Süßkirsche mit Früchten, als Aquarell dargestellt
Steinobst

Süßkirsche

Prunus avium

Schneide Süßkirschen sparsam nach der Ernte. Kleine Wunden und trockenes Sommerwetter schonen den Baum.

  • EinschätzungAnspruchsvoll
  • BefruchtungBraucht Befruchter
  • ErziehungHohlkrone oder Spindel mit wenigen, flach gestellten Leitästen
  • ErntezeitJe nach Sorte (Kirschwoche) Juni bis Juli.
Schnittanleitung

Der Schnitt

Lichte dichte und steil aufstrebende Partien sparsam aus. Erhalte flache, fruchtende Äste und vermeide große Wunden.

ErziehungsformHohlkrone oder Spindel mit wenigen, flach gestellten Leitästen
ZeitpunktSommerschnitt direkt nach der Ernte (Juli–August), bei trockenem Wetter.
Warum dannWährend der Vegetationszeit kann die Kirsche Schnittwunden besser überwallen. Trockenes Wetter und kleine Schnittflächen begrenzen Infektionsrisiken; belaubt lässt sich zudem gut beurteilen, wo Licht fehlt.
Wundheilungheikel – nur bei warmem, trockenem Wetter
Schnittfenster im Jahr
  1. J
  2. F
  3. M
  4. A
  5. M
  6. J
  7. J
  8. A
  9. S
  10. O
  11. N
  12. D
  • Hauptschnitt

Recht & Natur: Dieses Schnittfenster liegt in der Schutzzeit (1. März – 30. September). Schonende Pflege kann zulässig sein; starke Eingriffe unterliegen je nach Gehölz und Standort dem Verbot des § 39 BNatSchG. Artenschutz und örtliche Regeln sind immer zu beachten. Mehr im Rechtskapitel.

Vermeiden: Größere Schnitte bei nasskaltem Winterwetter meiden. Gummifluss ist eine mögliche Stressreaktion und kann auch durch Krankheiten, Frost oder Standortprobleme entstehen; er folgt nicht zwangsläufig auf jeden Winterschnitt.

Schritt für Schritt

  1. Direkt nach der letzten Pflücke einen trockenen Tag wählen.

  2. Totholz und von Monilia befallene, vertrocknete Triebspitzen großzügig ins gesunde Holz zurücknehmen.

  3. Die Krone auslichten: zu dicht stehende und nach innen wachsende Äste entfernen, damit Licht und Luft hineinkommen.

  4. Steil aufrechte Triebe zugunsten flacher, waagerechter Fruchtäste herausnehmen – flache Äste wachsen weniger stark und tragen mehr.

  5. Nur wenige, dafür saubere Schnitte setzen; auf große Kappungen verzichten.

Typische Fehler
  • Größere Schnitte bei nasskaltem Winterwetter setzen: Die Wunden schließen schlechter; Gummifluss kann als Stressreaktion auftreten.
  • Zu große Schnittwunden auf einmal – Steinobst kapselt sie schlecht ab.
  • Steil stehende Leitäste belassen – sie vergreisen und tragen schlecht.
Belaubter Süßkirschast: ein steiler Trieb ist an der Basis markiert, der flache Fruchtast bleibt stehen.
Beim Sommerschnitt der Süßkirsche werden steile Triebe zugunsten flacher, fruchtbarer Äste sparsam entfernt. Bild vergrößern ↗
Kirschtrieb mit welker Spitze; zwischen der Schnittmarke im gesunden unteren Bereich und den welken Blättern bleibt ein deutliches Stück gesunden Holzes.
Monilia-Spitzendürre: Den befallenen Trieb großzügig ins gesunde Holz zurückschneiden. Die Schnittstelle liegt deutlich unterhalb der sichtbaren Befallsgrenze. Bild vergrößern ↗
Dieselbe Süßkirschkrone vor und nach maßvollem Auslichten: Zwei kleine Innenzweige fehlen rechts, Mitteltrieb, Gerüstäste und die übrige Belaubung bleiben erhalten.
Süßkirsche nach der Ernte maßvoll auslichten: Wenige störende Innenzweige werden am Ansatz entfernt. Das bleibende Astgerüst wird weder gekappt noch pauschal an den Spitzen gekürzt. Bild vergrößern ↗

KI-Illustrationen, redaktionell gegen die belegten Schnittregeln geprüft – schematisch, nicht maßstabsgetreu.

Der ganze Baum

Standort, Pflege & Ernte

Standort und Pflanzung

LichtVollsonnig und luftig – feuchte, schattige Lagen begünstigen Monilia und Schrotschuss.
BodenTiefgründig, durchlässig, kalkhaltig; verträgt keine Staunässe.
PflanzungHerbst oder Frühjahr; Süßkirschen werden groß – auf schwach wachsende GiSelA-Unterlagen setzen, wenn der Baum klein bleiben soll (GiSelA 5/6 ≈ 35–40 %, GiSelA 3 ≈ 50 % schwächer als die Sämlingsunterlage), zusammen mit Spindelerziehung und Stützpfahl.
BefruchtungDie meisten Sorten brauchen eine gleichzeitig blühende Partnersorte aus einer anderen S-Gruppe (Verträglichkeitsgruppe). Selbstfruchtbare Sorten wie „Lapins“, „Sunburst“, „Sweetheart“ „Skeena“ oder „Stella“ tragen auch allein.

Ernte und Lagerung

ErntezeitJe nach Sorte (Kirschwoche) Juni bis Juli.
ReifezeichenVoll ausgefärbt, fest-saftig und süß; Süßkirschen reifen nach der Ernte nicht nach, daher reif pflücken.
LagerungNur wenige Tage haltbar; mit Stiel pflücken, dann hält die Frucht länger.

Krankheiten und Schädlinge

  • Monilia: Spitzendürre; befallene Triebe weit ins Gesunde schneiden.
  • Schrotschuss: Löchrige Blätter.
  • Kirschfruchtfliege: Madige Früchte; früh reifende Sorten wie ‚Burlat‘ sind meist weniger betroffen, aber nicht garantiert madenfrei.
  • Kirschessigfliege: Larven im Fruchtfleisch, Eindellungen und Fäule. Spät reifende Sorten sind stärker gefährdet.

Praxistipps

  • Lieber jährlich ein wenig auslichten als nach Jahren stark eingreifen zu müssen.
Quellen und Prüfung

Gegen diese Quellen geprüft am 2026-06-28.

  • Beltz/Großmann, „Handbuch Pflanzenschnitt“ (Ulmer, 3. Aufl.), Obst-Kapitel S. 233 f., 269 f. (Tier A)
  • Lucas, „Anleitung zum Obstbau“ (Ulmer, 32. Aufl. 2002), Kap. 4.7.1/5.5 – meist selbststeril mit S-Allel-Gruppensterilität (Befruchter aus anderer S-Gruppe, nicht nur blühzeitgleich); selbstfertile Sorten ‚Lapins‘/‚Stella‘/‚Sunburst‘/‚Sweetheart‘; Unterlagen F 12/1 (stark) und ‚Gisela 5‘ (beste Schwachwuchs-Unterlage) (Tier A)
  • Hartmann, „Ulmers Taschenatlas Alte Obstsorten“ (Ulmer, 6. Aufl. 2019/2020), S. 15 f. (Abstammung Prunus avium 2n=16; Herz- vs. Knorpelkirschen) (Tier A)
  • Riess, „Obstbaumschnitt in Bildern“ (Bayer. LV f. Gartenbau u. Landespflege, 35. Aufl. 2018) (Tier B)
  • LWG Bayerische Gartenakademie, Merkblätter 3160 „Steinobst-Sorten“, 3101 „Veredlungsunterlagen“ (Tier B)