
Sauerkirsche
Prunus cerasus
Bei der Schattenmorelle musst du das Fruchtholz jährlich erneuern. Aufrecht wachsende Sauerkirschsorten brauchen meist nur leichtes Auslichten.
- EinschätzungFortgeschritten
- Befruchtung
- ErziehungSpindel mit Mitteltrieb (Astwinkel zum Stamm höchstens etwa 70°) oder lockere Hohl-/Rundkrone mit drei bis vier Leitästen
- ErntezeitJuli, je nach Lage bis Anfang August – die Schattenmorelle reift spät.
Der Schnitt
Die Schattenmorelle trägt fast nur an einjährigen Trieben, die nach der Ernte verkahlen und herabhängen. Leite jedes Jahr einen Teil davon auf junge Seitentriebe nahe der Basis ab. Diese Ersatztriebe bleiben ungekürzt. Das ältere Gerüstholz kann neu austreiben.
| Erziehungsform | Spindel mit Mitteltrieb (Astwinkel zum Stamm höchstens etwa 70°) oder lockere Hohl-/Rundkrone mit drei bis vier Leitästen |
|---|---|
| Zeitpunkt | Direkt nach der Ernte (Juli–August), bei trockenem Wetter. |
| Warum dann | Nach der Ernte heilen die Wunden bei Wärme besser. Außerdem entfernt der Schnitt Triebe, bevor der Baum weitere Kraft in deren Fruchtknospen steckt. Riess empfiehlt deshalb diesen Termin. |
| Wundheilung | mittel – maßvoll schneiden |
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- Hauptschnitt
Recht & Natur: Dieses Schnittfenster liegt in der Schutzzeit (1. März – 30. September). Schonende Pflege kann zulässig sein; starke Eingriffe unterliegen je nach Gehölz und Standort dem Verbot des § 39 BNatSchG. Artenschutz und örtliche Regeln sind immer zu beachten. Mehr im Rechtskapitel.
Vermeiden: Verkahlte Ruten nicht beliebig auf einen kahlen Abschnitt einkürzen. Möglichst auf einen gut stehenden jungen Seitentrieb ableiten und diesen als Ersatz erhalten; das ältere Gerüstholz ist grundsätzlich regenerationsfähig.
Schritt für Schritt
Beim Pflanzschnitt von den vielen vorzeitigen Trieben drei bis vier als Leitäste stehen lassen, alle übrigen ganz entfernen; Mitteltrieb und Leitäste auf vier bis sechs Augen zurücknehmen.
Totholz sowie zu dicht stehende, verkahlte und herabhängende Äste herausnehmen.
Lange, verkahlte Ruten, die kaum mehr triebfähig sind, bis zum Ansatz wegschneiden.
Abgetragene, überhängende Fruchttriebe auf einen jungen Seitentrieb nahe der Basis ableiten. Diesen Ersatztrieb ungekürzt lassen; schwächere einjährige Triebe als Fruchtholz erhalten.
- Zu wenig schneiden: Die Fruchtäste verkahlen und hängen als lange, unbelaubte Ruten herab.
- Verkahlte Ruten ohne geeigneten Ersatztrieb einkürzen oder den ausgewählten jungen Ersatztrieb gleich wieder anschneiden.
- Den Schnitt in den Winter verschieben – nach der Ernte ist er wirksamer und der Baum verschwendet keine Kraft an Fruchtknospen, die später wegfallen.



KI-Illustrationen, redaktionell gegen die belegten Schnittregeln geprüft – schematisch, nicht maßstabsgetreu.
Standort, Pflege & Ernte
Standort und Pflanzung
| Licht | Sonnig bis halbschattig; die Sauerkirsche verträgt mehr Schatten als die Süßkirsche und gedeiht auch an einer Nord- oder Ostwand. |
|---|---|
| Boden | Anspruchslos, durchlässig und nicht staunass; kommt mit mäßigen Böden besser zurecht als die Süßkirsche. |
| Pflanzung | Wurzelnackt in der Vegetationsruhe (Oktober–März, frostfrei); als Busch oder Spindel 3–4 m, gut auch als Wandspalier. |
| Befruchtung | Die meisten Sorten sind selbstfruchtbar – die ‚Schattenmorelle‘ trägt als Einzelbaum; eine Ausnahme ist die ‚Köröser Weichsel‘. |
Ernte und Lagerung
| Erntezeit | Juli, je nach Lage bis Anfang August – die Schattenmorelle reift spät. |
|---|---|
| Reifezeichen | Dunkelrot bis fast schwarz, glänzend und weich; voll ausgefärbt sind die Früchte deutlich aromatischer und lösen sich leicht. |
| Lagerung | Frisch nur wenige Tage haltbar; klassisch zu Saft, Konfitüre, Kuchen oder zum Einmachen verarbeitet. |
Krankheiten und Schädlinge
- Monilia-Spitzendürre: Über die Blüte; plötzlich welkende Triebspitzen – befallenes Holz weit ins Gesunde zurückschneiden.
- Schrotschuss: Löchrige Blätter; luftige Krone und Laubräumung beugen vor.
- Sprühfleckenkrankheit: Gelbliche Blätter, vorzeitiger Laubfall.
Praxistipps
- Nicht jede Sauerkirsche ist eine Schattenmorelle: aufrecht wachsende Sorten (z. B. ‚Köröser Weichsel‘, ‚Morina‘, ‚Safir‘) fruchten auch am älteren Holz und verkahlen kaum – sie werden wie eine Süßkirsche nur leicht ausgelichtet, nicht streng verjüngt.
- Werkzeug nach Monilia-Schnitt desinfizieren und befallenes Holz nicht auf dem Kompost lassen.
Quellen und Prüfung
Gegen diese Quellen geprüft am 2026-06-28.
- Beltz/Großmann, „Handbuch Pflanzenschnitt“ (Ulmer, 3. Aufl.), Obst-Kapitel S. 276 ff. (Tier A)
- Lucas, „Anleitung zum Obstbau“ (Ulmer, 32. Aufl. 2002), Kap. 4.7.2/5.5 – Amarellen (nicht färbender Saft) vs. Weichseln (färbend); die meisten Sorten selbstfruchtbar (Ausn. ‚Köröser Weichsel‘); Unterlagen F 12/1, ‚Colt‘, Steinweichsel oder eigene Wurzel (Tier A)
- Hartmann, „Ulmers Taschenatlas Alte Obstsorten“ (Ulmer, 6. Aufl. 2019/2020), S. 16, 337 (Prunus cerasus 2n=32-Bastard; ‚Schattenmorelle' trägt am einjährigen Holz, verkahlt ohne Schnitt) (Tier A)
- Riess, „Obstbaumschnitt in Bildern“ (Bayer. LV f. Gartenbau u. Landespflege, 35. Aufl. 2018) (Tier B)
- LWG Bayerische Gartenakademie, Merkblatt 3172 „Schnitt der Sauerkirsche“ (akt. Mai 2017) (Tier B)
- LWG Bayerische Gartenakademie, Merkblätter 3160 „Steinobst-Sorten“ (robuste, kaum verkahlende ‚Morina‘; Monilia-robuste ‚Achat‘/‚Jade‘), 3101 „Veredlungsunterlagen“ (Tier B)
- Obstbaumschule Schreiber, „Sauerkirschen / Weichseln richtig schneiden“ (YouTube, 2016) – nur indikativ (Tier C)