Aprikose mit Früchten, als Aquarell dargestellt
Steinobst

Aprikose

Prunus armeniaca

Aprikosen brauchen Wärme und Schutz vor Spätfrost. Beim Schnitt genügt maßvolles Auslichten, bevorzugt nach der Ernte.

  • EinschätzungAnspruchsvoll
  • BefruchtungSelbstfruchtbar
  • ErziehungRundkrone mit Mitteltrieb und drei bis fünf Leitästen
  • ErntezeitJe nach Sorte und Lage Juli bis August.
Schnittanleitung

Der Schnitt

Die Aprikose trägt an kurzen Bukettsprossen und ab dem zweiten Jahr an Langtrieben. Lichte die Krone maßvoll aus und erhalte den Mitteltrieb. Vergreiste Partien lassen sich durch Rückschnitt ins ältere Holz verjüngen.

ErziehungsformRundkrone mit Mitteltrieb und drei bis fünf Leitästen
ZeitpunktSommerschnitt nach der Ernte (Juli–August), bei trockenem Wetter; ein leichter Korrekturschnitt ist auch im März möglich.
Warum dannBei sommerlicher Vegetation kann die Aprikose Schnittwunden besser überwallen. Nach der Ernte bei trockenem Wetter maßvoll auslichten; Beltz nennt zusätzlich den März. Der Termin liegt nicht generell vor der Blütenknospenbildung.
Wundheilungheikel – nur bei warmem, trockenem Wetter
Schnittfenster im Jahr
  1. J
  2. F
  3. M
  4. A
  5. M
  6. J
  7. J
  8. A
  9. S
  10. O
  11. N
  12. D
  • Hauptschnitt
  • weiteres Schnittfenster

Recht & Natur: Dieses Schnittfenster liegt in der Schutzzeit (1. März – 30. September). Schonende Pflege kann zulässig sein; starke Eingriffe unterliegen je nach Gehölz und Standort dem Verbot des § 39 BNatSchG. Artenschutz und örtliche Regeln sind immer zu beachten. Mehr im Rechtskapitel.

Vermeiden: Kein Winterschnitt bei Nässe und Kälte – die Aprikose reagiert mit schlecht heilenden Wunden und Gummifluss. Und die Stammverlängerung nicht kappen: ohne durchgehenden Leittrieb brechen die schweren Fruchtäste leicht aus.

Schritt für Schritt

  1. Direkt nach der letzten Pflücke einen trockenen, warmen Tag wählen.

  2. Totholz sowie von Monilia befallene, vertrocknete Triebspitzen großzügig ins gesunde Holz zurücknehmen.

  3. Die Krone maßvoll auslichten: zu dicht stehende, sich reibende und nach innen wachsende Äste herausnehmen, damit Licht und Luft hineinkommen.

  4. Die Stammverlängerung und die drei bis fünf Leitäste durchgehend führen, nicht kappen.

  5. Vergreiste, kahl werdende Partien auf jüngeres, höher stehendes Holz ableiten – wie bei der Süßkirsche regeneriert die Aprikose aus älterem Holz.

Typische Fehler
  • Die Stammverlängerung kappen – ohne durchgehenden Leittrieb hängt die Last an wenigen Seitenästen, die unter dem Fruchtgewicht ausbrechen.
  • Wie beim Pfirsich jährlich streng am Fruchtholz schneiden – das ist bei der Aprikose unnötig und schwächt den Baum nur.
  • Im nasskalten Winter schneiden – große Winterwunden begünstigen Gummifluss.
Zwei Aprikosen im Vergleich: links der Leittrieb gekappt mit niedriger Krone, rechts die durchgehende Stammverlängerung erhalten.
Die Stammverlängerung der Aprikose bleibt erhalten; wird sie gekappt, hängt die Last an wenigen Seitenästen. Bild vergrößern ↗
Aprikosenast mit jungem, belaubtem Seitentrieb nach rechts oben; nur die alte Fortsetzung rechts darunter wird hinter der Verzweigung entfernt.
Ableiten: Die alte Fortsetzung wird unmittelbar hinter dem jüngeren Seitentrieb entfernt. Die Verbindung vom Stamm zum Ersatztrieb bleibt unversehrt; keinen langen Stummel stehen lassen. Bild vergrößern ↗
Aprikosenkrone nach der Ernte mit durchgehender Stammverlängerung; zwei blasse Innenzweige sind nahe ihrem Ansatz markiert, die Gerüstäste bleiben erhalten.
Nach der Ernte maßvoll auslichten: Störende Innenzweige knapp außerhalb ihres Astansatzes entfernen, ohne Stummel zu lassen. Stammverlängerung, Leitäste und die übrigen Triebspitzen bleiben erhalten. Bild vergrößern ↗

KI-Illustrationen, redaktionell gegen die belegten Schnittregeln geprüft – schematisch, nicht maßstabsgetreu.

Der ganze Baum

Standort, Pflege & Ernte

Standort und Pflanzung

LichtVollsonnig, warm und windgeschützt – die Aprikose blüht sehr früh, eine geschützte Südwand mildert Spätfrostschäden an der Blüte.
BodenTiefgründig, durchlässig und kalkhaltig, nicht staunass; warme, eher leichte Böden bekommen ihr besser als kalte, nasse.
PflanzungWurzelnackt in der Vegetationsruhe (Oktober–März, frostfrei); meist als Busch oder Hohlkrone mit 4–5 m Abstand. Die meisten Sorten sind selbstfruchtbar.
BefruchtungSelbstfruchtbar: Ein einzelner Baum trägt. Bei starkem Fruchtansatz ausdünnen, damit sich die Äste nicht überladen.

Ernte und Lagerung

ErntezeitJe nach Sorte und Lage Juli bis August.
ReifezeichenVoll ausgefärbt, am Bauch leicht weich und deutlich duftend; reife Aprikosen lösen sich leicht vom Zweig und reifen am Baum am besten aus.
LagerungNur wenige Tage haltbar – frisch verzehren, einkochen, dörren oder zu Konfitüre verarbeiten.

Krankheiten und Schädlinge

  • Gummifluss: Gummiartiger Pflanzensaftaustritt an Wunden und Rinde – meist Folge von Stress, Frost oder Winterschnitt; saubere Sommerschnitte beugen vor.
  • Monilia: Spitzendürre über die Blüte und Fruchtfäule; die Aprikose gilt als besonders anfällig – befallenes Holz mindestens 20 cm ins Gesunde zurückschneiden.
  • Schrotschuss: Löchrige Blätter; luftige Krone und Laubräumung beugen vor.
  • Kirschessigfliege: Larven im Fruchtfleisch, Eindellungen und Fäule. Spät reifende Sorten sind stärker gefährdet.
  • Scharka (Plum-pox-Virus): Die Aprikose zählt zum Wirtskreis – ringförmige Aufhellungen auf Blatt und Frucht, nicht heilbar; auf gesundes, zertifiziertes Pflanzgut achten.

Praxistipps

  • Wähle eine warme, vor Spätfrost geschützte Lage: Die frühe Blüte ist frostgefährdet.
  • Bewährte, großfrüchtige Sorten sind z. B. ‚Hargrand‘, ‚Goldrich‘ und ‚Bergeron‘.
  • Lieber jährlich maßvoll auslichten als selten stark eingreifen – große Schnittwunden sind bei der Aprikose das Hauptrisiko für Gummifluss.
Quellen und Prüfung

Gegen diese Quellen geprüft am 2026-06-28.