Beerenobst · Actinidia arguta (Mini-Kiwi) · A. deliciosa (Kiwi)

Kiwi

Die Exotin am Spalier: Die Kiwi ist keine Baum-, sondern eine starkwüchsige Schlingpflanze – meist als winterharte Mini-Kiwi mit essbarer Schale. Sie ist zweihäusig (man braucht eine männliche und eine weibliche Pflanze) und will regelmäßig geschnitten werden, sonst wachsen die Triebe meterlang und verkahlen.

  • EinschätzungFortgeschritten
  • ErziehungSchlingpflanze am Spalier oder an der Pergola (Freier Fächer, Palmette, Dachlaube); ein Gerüst aus Leitästen, an dem das Fruchtholz im Dreijahresrhythmus erneuert wird
  • ErntezeitDie winterharte Mini-Kiwi (‚Weiki‘, ‚Ambrosia‘) reift Anfang bis Mitte Oktober; die großfrüchtige Kiwi (A. deliciosa) braucht ein mildes Klima und reift noch später.
Das Leitkapitel

Der Schnitt

Die Kiwi blüht an der Basis einjähriger Triebe, die aus zweijährigem Holz hervorgehen. Man erzieht ein bleibendes Gerüst aus Leitästen und erneuert das Fruchtholz im Dreijahresrhythmus: abgetragene Fruchtäste auf Astring entfernen, junge Neutriebe als Ersatz anheften. Kräftige Sommertriebe werden mehrfach eingekürzt, damit die Basisknospen Blüten ansetzen.

ErziehungsformSchlingpflanze am Spalier oder an der Pergola (Freier Fächer, Palmette, Dachlaube); ein Gerüst aus Leitästen, an dem das Fruchtholz im Dreijahresrhythmus erneuert wird
ZeitpunktErhaltungsschnitt ausgangs des Winters bzw. zu Frühjahrsbeginn (Februar/März); dazu mehrmals im Sommer die kräftigen Neutriebe einkürzen.
Warum dannDas tragende Gerüst wird geschnitten, solange die Pflanze noch nicht voll im Saft steht – ausgangs des Winters. Der eigentliche Erziehungshebel ist aber der Sommerschnitt: Nur wenn die meterlangen Neutriebe während der Wachstumszeit mehrfach eingekürzt werden, werden die basalen Knospen zu Blütenknospen und die Ertragszone wandert nicht nach außen.
Wundheilunggut – verschließt Wunden zuverlässig
Schnittfenster im Jahr
  1. J
  2. F
  3. M
  4. A
  5. M
  6. J
  7. J
  8. A
  9. S
  10. O
  11. N
  12. D
  • Hauptschnitt
  • leichter Korrekturschnitt

Tabu: Den Schnitt nicht schleifen lassen: Bleibt die Kiwi ungeschnitten, wachsen die begünstigten Triebe meterlang, verkahlen und tragen kaum – gerade diese Obstart braucht den regelmäßigen, auch sommerlichen Schnitt.

Schritt für Schritt

  1. Ein stabiles Spalier oder eine Pergola bauen – die Pflanze wird schwer und alt, das Gerüst muss halten.

  2. Aus den Bodentrieben Leitäste am Draht anleiten (Freier Fächer/Palmette); jeden Draht nur mit einem Gerüstast belegen.

  3. Ausgangs des Winters die abgetragenen Fruchtäste auf Astring entfernen und durch junge Neutriebe ersetzen – Fruchtastumtrieb im Dreijahresrhythmus.

  4. Während des Sommers die kräftigen Fruchttriebe etwa vier bis fünf Augen hinter der letzten Frucht einkürzen, den erneuten Austrieb noch einmal auf ein bis zwei Augen – so setzen die Basisknospen Blüten an.

  5. Die männliche Pflanze nach der Blüte kräftig zurückschneiden, damit sie die weibliche nicht überwächst.

Typische Fehler
  • Nur eine Pflanze setzen – ohne männliche Pflanze in der Nähe bleibt die weibliche meist ohne Ertrag; ‚selbstfruchtbare‘ Sorten tragen erfahrungsgemäß weniger.
  • Den Sommerschnitt weglassen – dann wachsen die Triebe meterlang und verkahlen, die Ernte bleibt aus.
  • Die männliche Pflanze wuchern lassen – sie ist wüchsiger als die weibliche und unterdrückt sie mit der Zeit; im Ertragsalter ist sie nur Pollenspender und wird nach der Blüte stark zurückgeschnitten.
Der ganze Baum

Standort, Pflege & Ernte

LichtSonnig, warm und windgeschützt – die wärmeliebende Schlingpflanze braucht einen geschützten Platz, etwa an einer sonnigen Wand oder Pergola. Die Mini-Kiwi ist dabei robust und winterhart.
BodenHumos, nährstoffreich, gleichmäßig feucht und durchlässig; keine Staunässe.
PflanzungAn einem stabilen Spalier, einer Pergola oder Hauswand ziehen – die Triebe winden sich selbst um das Gerüst. Wegen des starken Wuchses mindestens 3 m Pflanzabstand. Wichtig: Kiwis sind zweihäusig, man pflanzt eine männliche und eine oder mehrere weibliche Pflanzen; selbst bei ‚selbstfruchtbaren‘ Sorten bleibt der Ertrag oft geringer.
ErntezeitDie winterharte Mini-Kiwi (‚Weiki‘, ‚Ambrosia‘) reift Anfang bis Mitte Oktober; die großfrüchtige Kiwi (A. deliciosa) braucht ein mildes Klima und reift noch später.
ReifezeichenDie Mini-Kiwi ist eine stachelbeergroße Beere mit glatter, essbarer Schale – reif, wenn sie weich wird und süß schmeckt. Feste Früchte reifen bei Zimmertemperatur nach.
LagerungFrisch nur kurz haltbar und zügig zu verzehren; feste Früchte reifen nachgelegt nach.

Praxistipps

  • Die Kiwi ist die Nische im Katalog: eine große, langlebige Schlingpflanze, die viel Platz, ein festes Gerüst und Geduld braucht – dafür bedeckt sie Pergola oder Laube dicht.
  • Für unsere Breiten ist die Mini-Kiwi (Actinidia arguta, z. B. ‚Weiki‘) die robuste, winterharte Wahl; ihre stachelbeergroßen Früchte isst man mit Schale.
  • Man braucht neben den weiblichen, fruchtenden Pflanzen eine männliche als Pollenspender – sie wird nach der Blüte stark zurückgeschnitten, damit sie die Weibchen nicht überwächst.

Belege: Beltz/Großmann, „Handbuch Pflanzenschnitt“ (Ulmer, 3. Aufl.), Obst-Kapitel S. 218 u. 307–309 (Kiwi) (Tier A); LWG/Bayer. Gartenakademie, Merkblatt Nr. 3161 „Empfehlenswerte Beerenobst-Sorten“ (Tier B). Gegen diese Quellen geprüft am 2026-07-01.